Studentenseelsorgerin - Sr. Claudia Valk sa

Kontakt

Telefon
0151 701 902 82

Email
claudia.valk@ksg-bistum-dresden-meissen.de

Adresse
Flossplatz 32
04107 Leipzig

Aufgaben

  • persönliche Begleitung in Lebens-und Glaubensfragen, in der Vorbereitung von Entscheidungen
  • Gestaltung von Gemeindeabenden und Gottesdiensten
  • Geistliche Übungen = Exerzitien (im Alltag, Wanderexerzitien, Schweige-Exerzitien an einem Ort), Sozial- und Pilgerfahrten, thematische Wochenenden (persönliches Charisma, Berufung, Beziehungen, Entscheidungsfindung, Auswertung eines Auslandsaufenthaltes etc)
  • Begleitung des Regionalen Arbeitskreises Ost (=RAK)
  • Vernetzung

Sprechzeiten

  • nach Vereinbarung

Vorstellung

Seit Sommer 2012 bin ich mit meiner Ordensgemeinschaft im Bistum Dresden-Meissen, wohin wir auf Gottes fantasiereiche Weise geführt worden sind. sa kürzt den französischen Namen meines Ordens ab:  soeurs auxiliatrices = Helferinnen, eine internationale Gemeinschaft mit derselben geistlichen Ausrichtung wie die Jesuiten, von deren Gründer Ignatius von Loyola, inspiriert. (www.helferinnen.info)

Ich freue mich, in den Studierendengemeinden lebendige, ja modellhafte Kirche zu erleben und daran mitgestalten zu können. Mich faszinieren Menschen, und ich bin sehr gern Seelsorgerin, ob hier oder wie in der Vergangenheit mit Obdachlosen in Wien, mit Studierenden in der Kath. Hochschulgemeinde in Graz oder im Centre Catholique Universitaire in N’Djamenena/Tschad, ob mit jungen Freiwilligen im Rahmen der Jesuit European Volunteers, ob in der Gemeindepastoral oder in der Krankenhaus-Seelsorge. Theologie- und Germanistik-Studium, Referendariat, Ausbildung zur Pastoralreferentin sowie in Exerzitienbegleitung und Klinischer Seelsorge, meine Ordensausbildung, der Rückhalt in meiner Gemeinschaft und das Gebet sind mir in meinen Aufgaben hilfreich. Zu erfahren, dass der Heilige Geist in Einzelnen und in Gemeinden Leben und Wachstum wirkt, wenn wir ihm Raum geben, macht mir meinen Beruf und meine Berufung unendlich kostbar.

Angebote von Schwester Claudia

Aktuell sind keine Termine vorhanden.

Berichte von vergangenen Angeboten von Schwester Claudia

Rückblick Wanderexerzitien

Schweigen- warum Schweigen?
Ich erinnere mich noch genau daran, dass meine Mathelehrerin in der Grundschule mit mir die Wette abschloss, dass ich es nicht schaffen würde, eine ganze Stunde zu schweigen. Ich weiß auch noch, wie ich dann vor dem Wecker meines Vaters saß und ungeduldig wartete bis ich wieder reden durfte. Ich wollte es unbedingt schaffen. Ich wollte ihr beweisen, dass ich auch leise sein kann.
Fast 15 Jahre später wollte ich es wieder versuchen, das Schweigen. Ohne Handy, ohne Lesestoff, aber dafür wieder mit einem Wecker, diesmal golden und lauttickend, acht Tage schweigen. Meine Wochen vor den Exerzitien waren so durchgetaktet, dass ich keine Zeit hatte, mich damit auseinanderzusetzen, was auf mich zukommen wird. Alles was ich wusste war, dass ich vom 20. September bis zum 28. September irgendwo in Sachsen unterwegs sein werde und nicht reden darf. Am Tag der Abreise, so schreibe ich es in mein Tagebuch, habe ich das Gefühl nicht mehr offen zu sein. Ich bin einfach müde. Ansonsten ist da gerade nicht viel in meinem Kopf. Ich weiß noch, wie froh ich war, dass ich mit den anderen, die sich mit mir auf das Schweigen eingelassen haben, nicht reden musste. Ich hatte keine Kapazität mehr für andere Lebensgeschichten. Das Gefühl randvoll zu sein; das Gefühl, dass es zu viel ist; das Gefühl der Überforderung, liegt meines Erachtens an der Multioptionalität unserer Zeit. Du bist deines Glückes Schmied. Das was du machst, ist das was du bist. Es gibt zahlreiche Sätze, dieser Art, die unser Sein prägen. Jeder Tag liegt am Morgen vor uns, ungestaltet noch, und wir verstehen uns als die Gestalter*innen, die diesen gestalten und füllen müssen. Ich merke, dass ich meine Tage nach ihrer Produktivität quantifiziere und bewerte.
Und dann, mitten hinein in diese Sätze, das Privileg acht Tage schweigen zu dürfen. Herausgenommen zu sein aus dem Alltag. Es ist früh am Morgen. Das Schweigen hat begonnen. Im Moment erscheint es mir wohltuend mich nicht in Nichtigkeiten verlieren zu müssen. Diese Sätze schreibe ich am 21. September und tatsächlich die ersten Tage des Schweigens sind bei mir geprägt von Zusagen. Ich darf mich so, wie ich bin vor Gott bringen. Ich bin sein Geschöpf. Ich fühle mich so mangelhaft, so voller Fehler und Sünden. Er spricht zu mir „sehr gut“. Er ist der Schöpfer. Ich darf Geschöpf sein. Ich muss es nicht machen. Und später: Die Blume, die auch Gottes Geschöpf ist, sie lebt ihre Verheißung. Sie weiß, dass sie Geschöpf ist, damit ist sie im Frieden. Der Drang des Menschen Gott zu sein. Mein Wunsch den anderen zu
retten und damit selbst die Lorbeeren einzuheimsen. Es ist eine Versuchung meines Herzens, der Stolz. Stolz auf meine eigene Leistung- absurd!
Wir sind es nicht und wir müssen es auch nicht sein. Das Vorbereitungsgebet, welches mich durch diese Zeit begleitet hat, schließt mit dem Vers: Gott, ich weiß, dass ich nur lebe, wenn ich mich von dir ansprechen und verwandeln lasse.
Eine Sache, die ich gelernt habe, in dieser Zeit des Schweigens, ist, dass unsere Seele ein Kampfplatz ist. Wir stehen in dieser Welt, die uns oft so kalt, hart und unverständlich erscheint. Frühere Gebete von mir enthielten den Wunsch, dass Gott den Sturm wegnimmt. Die Anklage, dass er es uns Menschen zu schwer macht, dass diese Welt so grausam sein kann. Ich bin in diese Welt gesetzt, das ist meine Lebenswirklichkeit. Ich kann mich in Wunschträumen verlieren, mir vorstellen, was passiert wäre, wenn mir manche Verletzungen nicht zugestoßen wären. Gott vorwerfen, dass er es zugelassen hat, dass das Leben mich nicht schont, rau ist und manchmal unverständlich. Das was ich verstanden habe, ist, dass der Kampf um das Leben dazugehört, dass ich ihn mir nicht wegwünschen kann. Meine Möglichkeit ist es, die Wurzeln zu stärken, um kräftig zu sein, damit ich bestehen kann.
Am Ende der Zeit steht in meinen Aufzeichnungen: Stille ist deine bevorzugte Sprache. Ich fühle mich dir nah. Du hast mein Inneres berührt. Ein Ja, mein Ja zum Geschöpf-sein. Freiheit durch die Bejahung meiner Wirklichkeit. Nur durch die existiere ich. Nur durch dich lebe ich.
Acht Tage zu schweigen, das war zu Beginn auch eine Herausforderung, die ich, wie damals als Kind, bestehen wollte. Ich wollte zeigen, dass ich es kann, genauso wie eine Prüfung, die es zu bestehen gilt. Das jetzt so zu schreiben, soll meine Motivation nicht abwerten. Ich schreibe das, da ich die Erfahrung machen durfte, dass dies eine sehr menschliche Kategorie ist. Es ist meine Hoffnung und meine Freude, dass ich glauben kann, dass der über den hinaus größeres nichts gedacht werden kann, mich liebt, dass ich einen Platz bei ihm habe, ganz ohne Leistung und Bonuspunkte.

Rückblick Wanderexerzitien 2018

Ich mache mich auf den Weg

Als ich das Prospekt für die Exerzitien gesehen habe, wusste ich sofort: Das will ich machen.
Ein Ortswechsel stand vor der Tür wegen meines Masters: neuer Ort, neue Leute, etwas andere Fachrichtung. Innerlich war ich aufgeregt, etwas unruhig, voller Vorfreude endlich losstarten zu können. Und der Wunsch bei so viel Neuem und Aufregendem den eigentlichen Wegbegleiter nicht zu vergessen und mich bei einem Neustart in eine nachhaltige Richtung zu orientieren.
Für mich stand also fest: Wandern liebe ich und dann auch noch mit Gott? tolle Sache!
Also los ins tiefe Erzgebirge.

Unsere Unterbringung

Angekommen in Oberjugel umfing uns dichter Tannenwald und unglaubliche Stille, was für mich persönlich auch mit einer inneren Stille einherging. In dem Jugendheim, in dem wir die nächste Woche verbringen würden, waren wir die einzige Gruppe, so dass sich jeder von uns auch ein eigenes Zimmer aussuchen konnte. Ich hatte das Glück von meinem Fenster aus den Sonnenaufgang über den Wiesen und Wäldern miterleben zu dürfen. Nach unserer Ankunft und dem Abendbrot leiteten wir mit dem Abendgebet den Beginn unseres Schweigens ein.

Aller Anfang ist schwer

Puh, am ersten Tag fiel es mir wirklich nicht leicht zu schweigen. Ich empfand es als sehr unhöflich, die anderen Teilnehmer am Morgen nicht zu grüßen, sich nicht zu bedanken. Und mir kam immer der Gedanke: Ich bin von so vielen interessanten Menschen umgeben, und jetzt kann ich nicht mit ihnen reden?! Beziehungen und in Kontakt sein mit Menschen war mir sehr wichtig und mich jetzt die ganze Zeit mit mir zu beschäftigen, kam mir am Anfang schon etwas langweilig vor.
Außerdem kamen mir immer noch so viele Gedanken in den Kopf, plop, waren sie einfach da. Doch auch daraus nahm ich mit, dass diese Gedanken und Gefühle vor Gott da sein dürfen.

Der Nase nach Wandern

Wir sind so darauf trainiert hauptsächlich unserem Verstand zu folgen, aber können wir auch auf unsere eigene innere Stimme hören und wie geht das eigentlich? Das war für mich, jedenfalls in dieser Intensität, ganz neu und herausfordernd: in mich hören, in die innere Stille zu hören und wirklich zu spüren. Das bedeutete für mich vor allem meiner Intuition zu folgen und wahrzunehmen, in welche Richtung mich z.B. Gebetsimpulse ziehen.

Doch nicht die ganze Zeit schweigen?

Damit standen wir nicht alleine da. Denn jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit ein tägliches Begleitgespräch mit Sr. Claudia zu führen. Ich hatte meine Gesprächszeit mit ihr während der Wanderung. Dieser Austausch war immer eine große Hilfe um zu verstehen, welche Impulse und Bibelstellen in der aktuellen Situation für mich passend waren. Auch in der Gruppe konnten wir uns während der abendlichen Gebetszeit austauschen, über das, was uns bewegt hat, was wir an dem Tag als gut oder eher schlecht empfanden.

Jesus ganz nahe sein

Eine ganz besondere Erfahrung in den Exerzitien war für mich das wirkliche Erleben von christlichen Werten, die ich oft schon gehört, aber noch nie zuvor so intensiv wahrgenommen hatte. Da war zum Beispiel das große Geheimnis unseres Glaubens, dass Jesus Christus für die Menschen am Kreuz gestorben ist. Durch sein unvorstellbar großes Leiden und seine Verletzlichkeit am Kreuz konnte ich mich dem Jesus-Gott ganz verbunden und von ihm verstanden fühlen und ihm dadurch auch meine Verletzlichkeit offenbaren. Und umso großartiger: Jesus tat dies alles aus unendlicher Liebe zu uns, zu mir, um ganz bei mir zu sein. Diese Liebe ist Gnade, ganz umsonst, uns geschenkt. Eine Liebe, die ich kaum begreifen und in Worte fassen kann.

Gott in der Schöpfung begegnen

Ganz anders als Jesus durch seine Verletzlichkeit ganz nahe zu sein, konnte ich dem mächtigen Gott in der Natur begegnen. So begleitete uns auf eine unserer Wanderungen der Bibelvers
"Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden" (Ex 3,5). Und so zog auch ich meine Schuhe aus, mit dem Bewusstsein ein Teil von Gottes Schöpfung zu sein und in direktem Kontakt zu meinem Schöpfer zu kommen, ihn in all seinen Facetten, von den glitzernden Regentropfen bis zu dem Rauschen des Windes wahrzunehmen.

Die Gegenwehr

In der Woche gab es für mich auch Momente, in denen ich mir dachte: "Schon wieder beten? Können wir nicht einmal eine Betpause einlegen?", also einfach Tage, an denen ich mich nicht konzentrieren, nicht zur Ruhe kommen konnte und alles sinnlos fand, was wir machten. Umso größer war die Überraschung, dass die anfängliche Unlust bei den gemeinsamen Gebetszeiten wieder nachließ und ich irgendwie doch zurück zur Stille finden konnte. Dadurch wurde mir bewusst, dass es jemanden gibt, der mich ganz persönlich bei sich haben will, um mit mir Zeit zu verbringen und mich dafür auch aus meiner Unlust zurückholt.

Vom Zurückkommen und Ernten

Die Exerzitienwoche neigte sich dem Ende und ich hatte das Schweigen sehr lieben gelernt, eigentlich so, dass ich gerne noch ein paar Tage länger in Stille geblieben wäre.
Das wieder-zurück-in-den-Alltag-kommen, war daher genauso wenig einfach, wie das Ins-Schweigen-gehen. Mich packten ziemlich schnell meine Umzugsvorbereitungen und die Turbolenzen des Alltags.
Doch was ich in den Exerzitien erleben durfte, eine Woche mit Jesus zu verbringen, war Gnade und hat mich nachhaltig geprägt. Sowohl kurze, dafür aber intensive Begegnungen mit ihm, als auch Keine-Bock-aufs-Beten-Phasen, aus denen mich eine Macht, unvorstellbar größer als ich, wieder herausgeangelt hat, sind die Exerzitienfrüchte dieser Woche, die langsam in meinem Alltag nachreifen.
Es sind Begegnungen mit Gott, die mich jetzt, einen Monat später ausfüllen, nicht als Nachhall dieser Ereignisse, sondern als eigenständiger Klang.
Es ist die Gewissheit einer Freundschaft in Stille, die keine großen Worte braucht.